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Erfahrungen

erzählungen von betroffenen

Frauen berichten, warum sie sich für oder gegen eine Abtreibung entschieden haben, wie es ihnen damit geht und welche Auswirkungen dieser Schritt auf ihr Leben hat. Lesen Sie persönliche Erfahrungen anderer, um Ihnen selbst zu helfen.

Wenn Wunschkinder abgetrieben werden

Renate Mitterhuber ist Hebamme und Trauerbegleiterin. Sie begleitet Eltern, die sich aufgrund der Diagnose einer Behinderung im Rahmen der Pränataldiagnostik für eine Spätabtreibung entschieden haben. Ihre wichtigste Botschaft: Der Schmerz über den Verlust dieses Babys muss zugelassen werden. Die Eltern haben selbst entschieden, doch sie brauchen Rituale, um das verstorbene Kind zu betrauern.

Endlich schwanger. Ein Wunschkind. 16. Woche. Oder 26. Woche. Die meisten Frauen wissen bereits, dass sie schwanger sind, sie spüren das Baby. Plötzlich: Diagnose Down Syndrom. Oder Diagnose Spina Bifida, offener Rücken. Oder eine andere lebenserschwerende Behinderung. Frauen, die etwa die Hälfte der Schwangerschaft erlebt haben, erfahren nun im Rahmen der Pränataldiagnostik davon. Sie entscheiden, die Schwangerschaft abzubrechen. Sie machen eine Spätabtreibung.

 

Wie überstehen Eltern eine Spätabtreibung?

Wenn eine „ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer behindert sein wird“, ist das für den österreichischen Gesetzgeber ein Grund, warum eine Spätabtreibung straffrei durchgeführt werden darf. Doch wie geht es den Frauen dabei? Wie überstehen Eltern den Tod ihres Kindes, den sie selbst entschieden haben?

 

Hebamme Renate Mitterhuber hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen nach Totgeburten, Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüchen zu begleiten. Zu ihr kommen Eltern ein bis drei Tage nach einem Schwangerschaftsabbruch, für den sie sich nach der Diagnose über eine Behinderung durch Pränataldiagnostik entschieden haben – in den meisten Fällen war es ein Wunschkind.

 

Eltern trauern nach der Entscheidung

„Das ist die erste Generation Eltern, die entscheiden muss. Zu einem Zeitpunkt, wo die Hälfte der Schwangerschaft vergangen ist, entscheiden muss, ob sie die Schwangerschaft abbricht oder austrägt. Diese Entscheidung hatten die Omas noch nicht getroffen, es gibt dazu keine Trauerkultur, kein Wissen, das weitergegeben wird“, sagt Renate Mitterhuber und fügt hinzu: „An sich sollten Menschen gar nicht die Entscheidung über ein Leben treffen müssen dürfen.“

 

Die Eltern haben selbst entschieden, das Kind abzutreiben, doch sie trauern ähnlich wie bei einer Totgeburt oder Fehlgeburt. „Ich entlaste die Frauen, indem ich sie ermutige, den Schmerz über den Verlust dieses Kindes zuzulassen. Wenn sich ein Kind sonst verabschiedet, es im Bauch verstirbt und die Mutter eine Fehl- oder Totgeburt hat, ist der Schmerz auch groß. Im Fall einer Abtreibung ist die Trauer noch mit Schuld besetzt – wenn ich selbst entschieden habe, dass dieses Kind nicht leben soll, wird es schwieriger, sich die Trauer zu erlauben.“

 

Über die Abtreibung sprechen

Viele können nicht darüber erzählen, weil sie nicht wissen, wie die Menschen reagieren. „Wenn ich eine Fehlgeburt habe, werde ich von allen unterstützt. Bei einer Abtreibung habe ich selbst entschieden“, meint Mitterhuber. „Manche sagen, sie hätten nie gedacht, ihr eigenes Kind umzubringen. Sie verstehen oft selbst nicht, was mit ihnen passiert.“

 

Mitterhuber vernetzt die Frauen mit anderen, die ein ähnliches Schicksal hatten. „Es tut gut, darüber zu reden, den Schmerz, die Verzweiflung zu teilen, sich jemandem mitzuteilen, damit das Verletzt-Sein im Herzen wieder heil werden kann.“

 

Außerdem betont Mitterhuber: „Mir ist es wichtig, Frauen, die sich gegen das Weiterleben ihres Kindes entschieden haben, nicht zu verurteilen. Aber die Auseinandersetzung mit der eigenen Verantwortung und der eigenen Ohnmacht in dieser Situation ist wichtig für den Heilungsprozess, wichtig für den Neubeginn.“

 

Begräbnis und andere Rituale

Wichtig für die Heilung sei auch der zeremonielle Abschied. In den Spitälern werden Fotos vom Baby und ein Fuß- und Händeabdruck gemacht. Eltern wird ihr Baby gezeigt, wenn sie es wünschen. „Um Bindung einzugehen, muss man das Kind im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, um es verabschieden zu können. Erst wenn ich es gehalten habe, kann ich es wieder loslassen. Ich unterstütze Eltern bei den Ritualen, die heilsam sind, wie Briefe an das verstorbene Baby zu schreiben, ein Begräbnis zu gestalten, einen Platz für das Kind am Friedhof und auch in der Wohnung zu gestalten. Das Kind anzuschauen und mit Eltern und Geschwistern ein Foto zu machen, das zeigt, das Kind hat einen Platz in der Familie.“

 

Wann ist man bereit Für ein weiteres Kind?

Manche meinen, der Schmerz sei zu groß, vielleicht wäre die Lösung, schnell wieder schwanger zu werden. Renate Mitterhuber rät davon ab: „Jedem toten Baby sollte eine bestimmte Zeit gegeben werden, um betrauert zu werden. Das neue Kind kann diesen Schmerz über den Verlust nicht wegnehmen.“

 

Kontakt Renate Mitterhuber


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